Schriftführer

Mag. Dr. Peter Henseler
Jahrgang 1944



Geboren 1944, von der Ausbildung her Jurist und Ökonom, war ich am Beginn meiner beruflichen Laufbahn Mitarbeiter des 2003 unerwartet verstorbenen Sozioökonomen Egon Matzner an der TU Wien - eine für mich prägende und anregende Periode, die mit vielen positiven Erfahrungen verbunden ist. Davon ist die nebenberufliche Funktion eines habilitierten Universitätslehrers für öffentliche Wirtschaft und Finanzen geblieben, die publizistisch mittlerweile auf die wirtschafts- und währungspolitischen sowie verfassungsrechtlichen Fragen der europäischen Integration fokussiert ist. Die dabei verarbeiteten praktischen Erfahrungen waren bei der Mitwirkung an der Vorbereitung der wirtschafts-, finanz- und währungspolitischen sowie der damit zusammenhängenden rechtlichen Fragen des österreichischen EU-Beitritts im Finanzministerium und zuletzt als Delegierter dieses Ministeriums im Budgetausschuss des EU-Ministerrats in Brüssel gewonnen worden. Mit der vorzeitigen Verabschiedung in den Ruhestand 2002 fand eine Serie positiver, oft aber auch leidvoller Erfahrungen auf dem Weg durch die bürokratischen Institutionen in den Diensten der Republik ihr Ende. Diese reichten von karrieremäßiger Diskriminierung wegen mangelnder Opportunismusbereitschaft über von den Höchstgerichten nachträglich als rechtswidrig gerügte Disziplinierung bis zur - vordergründig und nur formal freiwilligen, faktisch aber erzwungenen - vorgezogenen Ruhestandsversetzung, wobei die damit verbundenen Kränkungen mit einer zeitlichen Verzögerung nicht zuletzt zu gesundheitlichen Problemen und zweimaligen herzchirurgischen Eingriffen geführt hatten, deren Folgewirkungen zuletzt sogar lebensbedrohend waren.

Auf die Unitarierbewegung aufmerksam wurde ich im Darwin-Gedenkjahr 2009, als ich von der ursprünglichen familiären unitarischen Prägung Darwins hörte und mir die Frage stellte, ob und inwieweit zwischen dieser frühen Prägung und den späteren wissenschaftlichen Erkenntnissen Darwins eine Interdependenz besteht. Auch wenn eine Antwort auf diese Frage (vorerst) im Bereich des Hypothetischen verblieb, hat sie mich angeregt, über die Relation Wissen/ Glauben, also die Beziehung zwischen säkularer Wissenschaft einerseits und religiösem Glauben (einschließlich der Glaubens-"Lehre") andererseits, nachzudenken. Dabei habe ich mich in meiner Glaubenssphäre zu einem agnostischen, nicht personifizierten Theismus/ Unitarismus oder (?) unitarisch/ (pan)-theistischen Agnostizismus auf der methodologischen Basis der antidogmatischen Denkweise des kritischen Rationalismus durchgerungen. Dem entspricht, so man sich als Nicht-Atheist eben auch einer Glaubenssphäre verbunden fühlt, die Position eines "religious liberal", dem als getauftem Lutheraner nicht zuletzt klar geworden ist, dass die von ihm im Grundsätzlichen bejahte Reformation mit der Akzeptanz des Trinitätsdogmas gewissermaßen auf halbem Weg stehen geblieben ist. Daran sollte vielleicht anlässlich in naher Zukunft bevorstehender markanter Gedenktage (2017: 500 Jahre Luthers Thesenanschlag in Wittenberg; 2025: 1700 Jahre Nicäanisches Dogma) gebührend erinnert werden.

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